Akustische Bässe – bauliche Herausforderungen meistern

Bass gibt der Musik eine Richtung, beseelt sie. Daher ist und waren Bassinstrumente im Zusammenspiel von mehreren Instrumenten schon immer wichtig. Als erstes denkt man da natürlich an den Kontrabass aus dem klassischen Orchester. Doch es gibt auch in anderen Ensembles Bässe.

Überblick

Zupfbass
Bild 1: Zupfbass

So haben viele Mandolinenorchester traditionell einen aufrecht gespielten Bass, der aussieht wie eine sehr große, langgezogene Gitarre mit einem kleinen, mittig platzierten Schalloch (Bild 1). Ganz ähnlich sehen auch die Bässe der Tamburizza- Ensembles auf dem Balkan aus. Bei den Balalaikas ist der Bass einfach eine riesige, ebenfalls typisch dreieckige, Balalaika (Bild 2) und im klassischen Gitarrenorchester wird der Basspart in der Regel von vergrößerten Nylonsaitengitarren übernommen. In Mexico gibt es den Guitarrón, der in den Mariachibands das wichtigste Rythmusinstrument ist.

Entwicklung

Die ersten akustischen Bassgitarren mit Stahlsaiten kamen in den 1960/70er Jahren auf, konnten sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht so richtig durchsetzen. Erst mit der Unplugged-Welle der späten 1980er Jahre wurden Akustikbässe, wie wir sie heute kennen, auch von einem breiteren Publikum akzeptiert. Zunächst gab es nur handwerkliche Einzelanfertigungen. In der Gitarrenindustrie waren sie noch kein Thema. Mit der Ausstrahlung der ersten MTV Unplugged Beiträge gab es jedoch plötzlich einen höheren Bedarf an akustischen Bässen. Es fiel nämlich auf einmal auf, dass ein E-Bass zwischen Akustikgitarren doch irgendwie komisch aussieht und so wurden dann auch die ersten industriellen Akustikbässe produziert. Diese sahen vom Korpus her aus wie Gitarren. Lediglich der Hals wich vom Erscheinungsbild der Gitarre ab, weil er etwas länger war. Meistens wurde dafür ein Jumbo- oder Dreadnaught-Korpus verwendet. Nach den Gesetzen der Akustik waren diese Bässe entsprechend der Korpusgröße unverstärkt kaum zu hören und benötigten deshalb immer einen kleinen Verstärker. Hierdurch wurde die „Unplugged“-Optik und -Akustik natürlich gestört.

balalaika Bass Katzenjammer
Bild 2: Balalaikabass Katzenjammer © pitpony.photography / CC-BY-SA-3.0

Die Entwicklungsarbeit für die neuartigen Bässe leisteten ganz klar die individuell arbeitenden Gitarrenbauer, Pioniere, die für ihren Beruf brannten und ohne Rücksicht auf betriebswirtschaftliche Argumente Neues wagten (Bild 3). Das Experimentieren mit solch neuen Konzepten konnten sich die „Großen“ gar nicht leisten, weil nach der Kosten-Nutzen-Betrachtung die Zielgruppe zu klein war, als dass sich teure Neuentwicklungen gerechnet hätten. Erst als die Pionierarbeit getan war, übernahm die Industrie schamlos die Entwicklungen der Gitarrenbauer ganz oder teilweise.

Heute sind die kleinen, gitarrenähnlichen Bässe, die man kaum hört, immer noch auf dem Markt zu finden, aber inzwischen kommen auch aus der Industrie akustisch brauchbarere Instrumente.

Klang

Henning Doderer Wappenbass
Bild 3: Henning Doderer - Wappenbass

Oft wird als Maßstab für akustische Bässe der Klang des Kontrabasses genannt. Ist dieser angestrebt, benötigt man auf jeden Fall ein Instrument mit großem Rauminhalt. Nur ein entsprechendes Volumen kann die tiefen Töne wirklich klangvoll darstellen. Auch die Saiten haben dabei natürlich ihre Bedeutung. Eine Roundwound-Saite klingt immer höhenbetonter und dynamischer als eine mit Flachdraht oder Nylontape umwickelte.

Stahlsaiten entfalten eine andere Dynamik als Nylonsaiten  und auch die Konstruktion des Basses muss auf die Saiten ausgerichtet sein. Wird ein für Stahlsaiten gebauter Bass mit Nylonsaiten bespannt, wird er in der Regel leiser. Umgekehrt würden die spannungsstarken Stahlsaiten über kurz oder lang das Nylonsaiten-Instrument zerstören. Beim Akustikbass, genau wie beim E-Bass auch, kann der Bassist seine spielerischen Vorlieben durch die Entscheidung, ob das Griffbrett fretless oder bundiert sein soll, bestimmen.

Konstruktion

Bild 4: STOLL Classicbass mit Nylonsaiten und Befestigung auf der Decke

Bei der Auswahl eines Akustikbasses ist besonderes Augenmerk auf die Konstruktion zu legen. Je tiefer der Bass klingen soll, um so größer muss, wie bereits erwähnt, der Rauminhalt des Korpus sein. Liegt der Schwerpunkt der gewünschten Frequenzen eher im Bereich der Tiefmitten, kann der Korpus entsprechend kleiner konstruiert werden.

Je dicker die Saite ist, um so länger muss sie sein, um ordentlich schwingen zu können. Besonders deutlich wird das bei der tiefen E-Saite bzw. bei der H-Saite des 5-Saiters. Bei beiden ist die normale E-Bass Mensur von 864 mm oft schon zu wenig.

Gerade beim Bass ist es wichtig, bei der Deckenkonstruktion das perfekte Verhältnis zwischen Stabilität und Schwingfähigkeit zu finden. Eine zu dicke oder zu stark beleistete Decke ist oft nicht in der Lage, einen tragenden Basston zu produzieren. Ist sie zu schwach, wird sie sich schnell verformen oder reißen. Ebenso ist die Korpustiefe maßgeblich an der Bassentwicklung beteiligt. Ein Bass mit geringer Zargentiefe spielt sich zwar komfortabel, wird aber immer Schwächen im Tieftonbereich haben.

Mit der Positionierung des Schalllochs kann man sehr gut Einfluss nehmen auf die wirklich schwingende Fläche der Decke. Rückt man das Schallloch, dessen Umgebung ja starr sein soll, z.B. in Randnähe oder neben das Griffbrett, kann die Deckenfläche effizienter zum Schwingen genutzt werden, was sich positiv auf die Grundtönigkeit und die Lautstärke auswirkt (Bild 3).

Die Stegposition ist von der Gesamtkonstruktion abhängig. Für optimales Sustain gehört der Steg allerdings ins Deckenzentrum, wie bei der klassischen Gitarre. Hiermit ist das Zentrum des Deckenbereichs im Unterbug gemeint. Wünscht man sich dagegen perkussivere Sounds kann man beispielsweise den Steg nah am Korpusende platzieren. Ein Vorteil dieser Konstruktion ist, dass der Hals weiter in den Korpus hineinreicht und der Greifarm nicht so weit gestreckt werden muss, um in den tiefen Lagen zu spielen.

Bild 5: STOLL Archtop Bass mit randständiger Saitenbefestigung

Beim Akustikbass können die Saiten wahlweise auf der Decke (Bild 4) oder hinter der Decke (Bild 5) angebracht werden. Die erste Variante versetzt die Decke über eine Kombination von Zug und Druck der Saiten auf den Steg in Schwingung. Dadurch ist der Ton direkt, dynamisch und ähnelt mehr dem Klang einer Gitarre.

Bei randständiger Saitenhalterung, wenn diese also unten auf der Zarge angebracht wird, entsteht die Übertragung der Schwingung nur durch Druck. Diese Bauweise zieht einige Konsequenzen in der Konstruktion nach sich. Um genug Druck aufbauen zu können, muss der Steg relativ hoch sein, was wiederum zur Folge hat, dass der Hals stärker nach hinten abgewinkelt sein muss. Je höher aber der Steg, um so indirekter der Ton. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Kontrabass. Der Steghöhe geschuldet, sind die Saiten sehr weit von der Decke entfernt. Durch den längeren Weg, den die Schwingung über den Steg zur Decke transportiert wird, reagiert das Instrument langsamer und getragener. Verwendet man diese Bauweise, kann auch beim Akustikbass eine langsame Ansprache erzeugt werden, sofern man einen derartigen Klang wünscht.

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Bild 6: STOLL Ukulelenbass mit Fächerbünden

Eine weiteres Stellschraube zur Beeinflussung der Klangfarbe und des Frequenzbereichs ist die Holzauswahl. Ein Bass, der alleine akustisch gespielt laut erscheint, geht möglicherweise im Bandgefüge unter. Grund hierfür kann zum Beispiel sein, dass das Holz jene Frequenzbereiche besser abbildet, die wir besonders gut hören. Diese sind aber in der Regel bereits von den Gitarren belegt und dann entsprechend im Zusammenspiel nicht gut zu unterscheiden. Verschiedene Resonanzhölzer decken verschiedene Frequenzbereiche ab. Durch die Wahl des Korpusholzes kann also ein Unterschied zum Frequenzbereich der anderen beteiligten Instrumente bewirkt werden. Welches Korpusholz sich im Zusammenspiel eignet, kann am Besten ein erfahrener Gitarrenbauer beantworten.

Neue Entwicklungen

Was ich bisher geschildert habe, ist die "klassische" Vorgehensweise beim Bau von akustischen Bässen. Die Entwicklung der akustischen Gitarre, und hierzu zähle ich auch Bassgitarren, ist noch nicht beendet. Als einer der Vorreiter im Bereich Akustikbässe reizt mich das Thema immer wieder. So ist vor kurzem ein Archtopbass (Bild 5) entstanden, der die hier geschilderten Erkenntnisse der Klangerzeugung zum Teil widerlegt. Das Zusammenspiel der gewölbten Decke mit dem eigens für diesen Bass entwickelten Curved Double-A-Bracing bewirkt, dass trotz relativ kleinem Korpus auch der Tiefenbereich gut abgebildet wird.

Verwendungszweck

Für rein akustische Verwendungszwecke, z. B. Straßenmusik, Barbecue, -Salonmusik, etc. kommt man um einen professionellen Akustikbass nicht herum. Hier empfiehlt sich der Weg zum Gitarrenbauer. Dieser kann auf die individuellen Klangvorstellungen eingehen und in Bezug auf Größe und Bespielbarkeit beratend zur Seite stehen.

Bild 7: Klassische Haltung, Alexander Holz am legendären Akustikbass

Für einen Bass im mittleren Frequenzbereich muss der Korpus, wie bereits erwähnt, gar nicht so viel größer sein, als der einer Gitarre.
Wer nur ab und zu Akustikbass-Sound benötigt und keine Probleme mit Verstärkern hat, ist mit einem industriell hergestellten Akustikbass oft gut bedient.
Unter Umständen genügt sogar ein Ukulelenbass (Bild 6). Ukulelenbässe gibt es mit Nylonsaiten oder Silikongummisaiten. Im ganz kleinen Rahmen funktionieren diese auch akustisch, in der Regel brauchen sie aber Verstärkung.

Wer trotz nur gelegentlichen Gebrauchs nicht auf höchste Klangqualität verzichten möchte, kommt jedoch auch hier nicht um den Weg zum Gitarrenbauer herum.

Spielkomfort

Grundsätzlich sollte man als ernstzunehmender Hersteller auf die Bespielbarkeit seiner Instrumente achten. Für Menschen mit Angst vor einem großen Korpus hat der Gitarrenbauer auf jedem Fall noch ein paar Extra- Kunstgriffe parat, mit denen er Abhilfe schaffen kann. So gibt es z. B. den Bevel, der auf der Oberseite den Unterbug abrundet und so den rechten Arm entlastet, man kann auch eine Aussparung auf der Rückseite des Korpus vornehmen, so dass sich dieser besser an den Körper anschmiegt. Oft genügt schon die asymmetrische Tiefe im Korpus, das heißt, auf der Bassseite ist der Korpus flacher als auf der Diskantseite. Dies ist die traditionelle spanische Methode, durch die erreicht wird, dass sich der Korpus zum Spieler neigt. Wer jedoch die klassische Gitarrenhaltung gewohnt ist, kommt im Grunde mit jeder Korpusgröße klar (Bild 7).

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