Der letzte seiner Art – Christian Stoll Akustikbass

Zeitschrift: Guitar Acoustic 02/2012 | Autor: Jürgen Richter

Von deutschen Gitarrenbauern gibt es zunehmend interessante Akustikbässe. Einer der ersten war Christian Stoll mit seinem Akustikbass. Er dürfte nach wie vor den größten Bass der Szene bauen ...

Christian Stoll hört es zwar nicht gerne, aber er steht auf voluminöse Instrumente. Wie sonst ist es zu erklären, dass er einer der Letzten ist, die einen wirklich kompromisslos auf Basssound gebauten Akustikbass im Programm haben?

Der legendäre AkustikbassUm die Dimensionen klarzustellen: Ein handelsüblicher Akustikbass der neueren Generation bringt es auf eine Korpusbreite von etwa 43 Zentimetern. Stolls Bass erreicht satte 53 Zentimeter! Dass aus so einem großen Instrument auch ein ordentlicher Ton herauskommen muss, dürfte jedem klar sein, der sich mal ein wenig mit Akustik befasst hat.

Zentrales Bauteil ist die Decke aus massiver Sitkafichte. Sie wurde aus vier Teilen zusammengesetzt, wobei die beiden äußeren Streifen wirklich nur noch die letzten sechs Zentimeter überbrücken müssen – Fichtenplatten dieser Breite sind nicht alltäglich.

Boden und Zargen sind aus Nussbaumholz, wobei der Boden ebenfalls aus mehreren Teilen besteht; in diesem Fall aus drei. Von außen ist das kaum zu sehen, weil sich Stoll mit Verzierungen und Einlagen auffallend zurückhält; die Fugen wurden allerdings gut sichtbar von innen verstärkt.

Der Hals besteht aus mehreren Teilen Cedro. Dieses Holz wird vor allem für Hälse von Klassikgitarren genutzt. Ebenfall von der Klassikgitarre hat Stoll die Hals-Korpus-Verbindung. Halsfuß und Oberblock sind aus einem Stück; die Zargen werden in entsprechende Schlitze eingeschoben und festgeleimt. Der Oberblock selbst sieht ein wenig wie ein Schuh aus, weshalb diese Bauform auch „Spanischer Fuß“ genannt wird.

Für ein solch großes Instrument sind der Hals und das darauf befindliche Ebenholzgriffbrett erstaunlich filigran ausgefallen: Mit 40 Millimetern Breite unterschreitet er das Maß der meisten E-Bässe. Zumindest an dieser Stelle ist der Bass bequem spielbar; der Hals liegt schlank und bequem in der Hand.

Die Handhabung des Instruments ist ansonsten nicht ganz einfach, denn man muss seine eigene Art finden, mit diesem Riesenkasten zurechtzukommen. Zwei Methoden haben sich als praktikabel herausgestellt: im Stil einer Klassikgitarre, also auf dem linken Bein, oder mit einem Gurt – was aber etwas unförmig aussieht. Dafür sollte der Bassist schon Gardemaß besitzen.Der legendäre Akustikbass - cutaway

Unförmig hin oder her: Wer mit diesem Bass in einer Akustikband sitzt, wird sich um solche Details nicht mehr kümmern wollen. Endlich liefert ein Akustikbass mal eine Klangbasis, die in etwa mit der eines Kontrabasses mithalten kann. Er ist dabei sogar lauter und brillanter, zumindest mit den aufgezogenen Saiten (interessanterweise solchen, die man für E-Bässe verwendet). Der Grundsound kommt modernen Soundvorstellungen ziemlich nah; er hat eine HiFi-artige Qualität und scheint die Mittensenke bereits eingebaut zu haben. Somit funktionieren auch Slapsounds jeder Art.

Aber irgendwann kommt selbst dieser Bass an seine Grenzen, und spätestens wenn die Akustikgitarren verkabelt werden, sollte man auch zum Amp greifen. Für solche Gelegenheiten hat Stoll einen McLoud-Tonabnehmer eingebaut. Dieser liefert einen bemerkenswerten Sound, denn von der Mittensenke ist nun nichts mehr zu hören. Der Klang geht eher in eine rockige Richtung: mittig und etwas rau. Will man den Akustikklang auch aus dem Verstärker hören, muss man zur Klangregelung greifen. Die Höhen werden dabei sehr sauber übertragen: Keine Spur des ansonsten so nervigen Piezo-Gezirpes ist zu vernehmen, das bei einem Bass besonders aufdringlich wirkt.

Das bleibt hängen

Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an: Wer einen ernsthaften Akustikbass sucht, kommt an Christian Stolls Instrument nicht vorbei. Der Ton ist fett und bassig, dabei dennoch erstaunlich brillant und luftig. Dafür muss man freilich in Kauf nehmen, dass er sich sperrig spielt und man nicht so recht an die Saiten herankommt. Aber wie sagte schon Beethoven: Was schert mich seine elende Geige, wenn der Geist zu mir spricht!