Fächerbünde oder Fanned Frets

Der Gedanke hinter dem Prinzip der Fächerbundierung ist, jeder Saite die für sie optimale Mensur (frei schwingende Saitenlänge) zur Verfügung zu stellen. Je tiefer eine Saite klingen soll, umso mehr Platz benötigt sie, soll sie höher klingen, darf sie entsprechend kürzer sein. In der Praxis angewandt entsteht dadurch ein Instrument, bei dem jede Saite eine andere Mensur (Saitenlänge) hat, weshalb man in Neudeutsch auch von Multiscale spricht.

Die Konsequenz aus den unterschiedlichen Saitenlängen ist die individuelle Verteilung der Bünde auf die gesamte schwingende Saite. Hierdurch entsteht die charakteristische Fächerform.

Geschichte und aktuelle Entwicklungen (für die, die's ganz genau wissen wollen)

Pythagoras' Erkenntnisse, bezogen auf Saitenmasse, Saitenspannung und Mensurlänge

  1. Bei gleich bleibender Saitenmasse und -spannung ändert sich die Tonhöhe proportional zur schwingenden Saitenlänge, wenn diese verändert wird. Halbiert man beispielsweise die schwingende Saitenlänge, verdoppelt sich die Frequenz und der Ton klingt ein Oktave höher.
  2. Wenn Saitenmasse und Saitenlänge konstant bleiben und die Spannung wird verändert, ändert sich die Tonhöhe proportional zur Quadratwurzel der Spannungsänderung. Um die Frequenz zu verdoppeln, muss die Saitenspannung also vervierfacht werden (Quadratwurzel aus 4 = 2).
  3. Umgekehrt proportional verhält es sich, wenn Saitenlänge und Spannung gleich bleiben und die Saitenmasse verändert wird. Vervierfacht man die Masse, halbiert sich die Frequenz, der Ton klingt ein Oktave tiefer.

Das erste Zupfinstrument, das diesem Gedanken Rechnung trug, war das Cembalo, welches im 15. Jahrhundert entwickelt wurde. Hier werden die Saiten in einen asymmetrischen Rahmen gespannt und bei Tastendruck vom Kiel einer Gänsefeder angerissen.

Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte der englische Instrumentenbauer John Rose das Orpheoreon als Mitglied der Cisternfamilie. Dieses Instrument war mit acht oder neun Saitenpaaren bespannt. Bei einer Mensur von bis zu 70 cm reichte der Tonumfang bis tief in den Bassbereich.

Um die Unterschiede in Klang und Ansprache zwischen Bass und Diskant auszugleichen, passte er die Mensurlängen den Saiten an und baute so die ersten bundierten Multiscale-Instrumente.

Ein erstes Patent wurde im Jahr 1900 - ebenfalls in England - angemeldet. Geschützt waren mit diesem Patent Musikinstrumente mit einem Klangkörper und einem Hals mit gewölbtem Griffbrett, in das die Bünde in der Art aufgefächert eingesetzt sind, dass die Mensurlänge im Bass größer ist als im Diskant.

In der Gegenwart entwickelte der schottische Klassikgitarrist Paul Galbraith zusammen mit dem englischen Gitarrenbauer David Rubio eine achtsaitige Gitarre, da ihm der Tonumfang der sechssaitigen nicht genügte. Um sie tonlich und ergonomisch zu optimieren, kam auch hier ein Griffbrett mit aufgefächerten Bünden zum Einsatz.

Parallel hierzu befasste sich der amerikanische Gitarrenbauer Ralph Novak intensiv mit dem Thema, um dann 1989 ebenfalls ein Patent für seine „Novax fanned frets“ genannte Mensur anzumelden.

Dass zuerst Bassbauer das Multiscale-Prinzip aufgriffen und damit in die Serienfertigung gingen, erklärt sich dadurch, dass das Problem beim 5- oder 6-Saiter E-Bass mit tiefer H-Saite besonders auffällig ist. Bei normaler Bassmensur klingt die tiefe H-Saite meist zu schwach und nicht richtig definiert. Versuche mit einer längeren Mensur lösten zwar das Problem mit der H-Saite verschlechterten jedoch den Ton von D- und G-Saite und machten die Instrumente schwerer spielbar.

Vorteile

Ein deutlich verbesserter Klang der tiefen H-Saite bei E- und Akustikbässen ist jedoch bei weitem nicht die einzige hervorzuhebende Verbesserung.

Das gefächerte Griffbrett ermöglicht, die Saitenspannung ist über die gesamte Griffbrettbreite so zu wählen, dass sich ein angenehmes Spielgefühl ergibt und die Ansprache der einzelnen Töne über die ganze Griffbrettlänge gleichmäßig ist. Daraus ergibt sich ein offener Klang mit einer sehr sauberen Intonation. Falsch klingende Obertöne werden eliminiert. Offene oder alternative Stimmungen können mit besserem klanglichen Ergebnis umgesetzt werden, was zu einem vergrößerten  Tonumfang führt.

Zu guter Letzt ist es aber der Gesamtklang des Instruments, der durch die Verwendung verschiedener Saitenlängen eine größere Homogenität bei einer klareren Basswiedergabe erhält. Nicht umsonst basiert das Konstruktionsprinzip der Konzertharfe oder des Flügels auf Saitenlängen, die tonhöhenabhängig gewählt werden.

Stoll IQ Steelstring und IQ Akustikbass

Bei unseren Multiscale-Instrumenten sind die Bünde in der Art aufgefächert, dass der 8. Bund den Mittelpunkt bildet, der in gewohnter Weise waagrecht im Griffbrett sitzt. Von dort ausgehend werden die Bünde nach oben und unten aufgefächert. Auf diese Weise kann die Greifhand entspannt alle Lagen erreichen. Sie muss nun nicht mehr parallel zu den Bünden verschoben werden, sondern kann eine natürliche Halbkreisbewegung machen.

Der IQ Akustikbass ist als Vier-, Fünf- und Sechsaiter erhältlich.

Die IQ Steelstring verfügt zusätzlich zum gefächerten Griffbrett noch über ein Zargenschalloch als Monitor für den Spieler sowie eine ergonomische Armauflage.