Der Einfluss des Inlays auf den Klang

Viele Faktoren, die den Klang einer Gitarre beeinflussen, wurden schon häufig besprochen. Doch einige weniger bekannte Kriterien werden oft übersehen. Einer davon ist der Einfluss des Inlays auf den Klang. Ein weiterer Faktor ist das Material der Bundstäbchen, doch dies würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

Gitarrenbau Christian Stoll: Stahlsaitengitarre Griffbretteinlagen Buchstaben aus Holz
Inlay aus Holz

Das Inlay mag nicht den Löwenanteil bei der Klangbeeinflussung einer Gitarre ausmachen, für Instrumente mit höchsten Ansprüchen darf dieser Aspekt jedoch nicht übersehen werden.

Wie man weiß, wird der Ton nicht nur von den Saiten, sondern auch vom Griffbrett über den Hals auf den Klangkörper übertragen. Ein ununterbrochener Schwingungsfluss ist hier unabdinglich. Wird nun ein Inlay ins Griffbrett eingebaut, hat dies Auswirkungen auf denselben.

Durch die Reibung, die zwischen Inlay und dem umgebenden Holz des Griffbretts entsteht, kommt es zu Unregelmäßigkeiten bei den Schwingungen, die über den Hals an den Korpus weitergegeben werden. Die Form des Inlays ist dabei maßgeblich.  Eine ebenmäßige Form verursacht weniger Schaden als eine Form mit vielen Kanten. Hier kommt es dann natürlich auch darauf an, aus welchem Holz Griffbrett und Inlay sind. Weiches Holz bei der Einlage ist weniger schädlich, da es flexibler reagiert als hartes.

Tree of Life Griffbretteinlage aus Perlmutt

Noch stärkeren Einfluss hat ein Inlay aus Perlmutt, da durch die Steifheit des Materials der natürliche Schwingungsfluss im Griffbrett vollkommen ausgebremst wird. Eine Kompensation ist möglich, indem rund um die Ausfräsung zwischen Griffbrett und Einlage Holzstaub von einem weichen Holz, wie z. B. Fichte, mit einem flexiblen Kleber eingebracht wird, damit die Einlage freier mitschwingen kann. Da das Griffbrett für gewöhnlich aus dunklem Holz besteht, muss der Holzstaub vor der Anwendung eingefärbt werden. Diese Dunkelfärbung kann man z.B. durch kurzes Erhitzen auf dem Biegeeisen erreichen.

Eine weitere Möglichkeit zur Kompensation ist ein permaflexibler Kunststoff, in den das Inlay eingebettet wir oder, wenn man es lieber vegan und regional halten will, Birkenpech.

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Konzertgitarre ohne störende Griffbretteinlagen

Ein kompaktes Inlay am 12. Bund ist dabei jedoch noch das geringste Problem. Wirklich schwierig wird es bei Einlagen die sich über mehrere Bünde ziehen, wie z.B. der Tree of Life. Mit einer solch grazilen Einlage wird die Schwingung des Griffbretts extrem stark unterminiert. Man kann sich das in etwa vorstellen wie den Einschlag einer Splitterbombe. Wünscht man eine solche Einlage, muss man zugunsten der Optik einfach Klangeinbußen hinnehmen.

Wer also im Bereich Stahlsaitengitarren auf professionellem Niveau spielen möchte, sollte sich einen Gitarrenbauer suchen, der die oben genannten Fakten zu berücksichtigen weiß oder er sollte abwägen, ob sein Wunsch nach optischen Besonderheiten die Klangeinbußen wert ist. Nicht umsonst verzichtet man bei klassischen Gitarrren auf Griffbretteinlagen.