Der Bevel – die eingebaute Armauflage

Grit Laskin Bevel
Grit Laskin Bevel

Geschichte und Zweck des Bevels

Ziel des Bevels ist es, an der Stelle, wo der Zupfarm auf der Gitarre aufliegt, die scharfe Kante zu beseitigen. Der Bevel wurde in den 1980er Jahren zuerst von Grit Laskin entwickelt. Parallel dazu gab es ähnliche Entwicklungen in Deutschland, wo Dragan Musulin seine Konstruktion der frei schwebenden Decke zum Gebrauchsmusterschutz anmeldete. Sie beinhaltete eine rund um die Decke verlaufende Abrundung.

Dragan Musulin Elite 1987
Dragan Musulin Modell Elite 1987 mit umlaufendem Rand

Bis sich der Bevel wirklich durchsetzte, dauerte es noch bis zum neuen Jahrtausend. Inzwischen wurde er von anderen Gitarrenbauern aufgegriffen und weiterentwickelt. Gerade für Gitarristen, die mehrere Stunden täglich spielen, sollten ernsthaft über den Bevel nachdenken und der Gesundheit gegenüber dem Kostenargument eindeutig Vorrang gewähren.

Bau des Bevels

Um eine abgerundete Armlauflage in den Korpus zu integrieren, muss zwischen Decke und Zarge ein dickeres Stück Holz eingefügt werden, das dann entsprechend verrundet an die Korpusform angepasst wird.

Die Integration eines Bevels ist ein tiefer Eingriff in die Physiognomie der Gitarre. Zunächst einmal wird die schwingende Fläche der Decke sowie der gesamte Rauminhalt der Gitarre kleiner. Wie wir später sehen werden, können wir diese Veränderungen zur klanglichen Gestaltung nutzen.

Bevel Armauflage schematische Darstellung
Bevel a) Faserrichtung von unten nach oben, b) Holzfaser im rechten Winkel

Der schwerwiegendste Eingriff ist jedoch der in die Statik. Wo gewöhnlich die Decke von der Zarge eingefasst wird, ist nun eine Unterbrechung. Man könnte natürlich argumentieren, für die Einfassung sorge ja jetzt das Holz vom Bevel, aber so einfach ist es nicht, denn die Beachtung der Faserrichtung des Holzes ist hier von größter Wichtigkeit.

Die Faser der Zarge verläuft in Längsrichtung und steht durch ihre gebogene Form somit an jeder Kontaktstelle mit der Decke im selben Winkel zu derselben. Beim Bevel sieht das zunächst anders aus. Das Holz, das von der Innenseite des Korpus aufgeleimt wird, kann jede beliebige Faserrichtung haben. Die schematische Darstellung des Bevels (Grafik Bevel a)) geht davon aus, dass die Faser von unten nach oben verläuft. Wie man sieht, verliert die Decke durch diesen Faserverlauf die Stütze.

Aus diesem Grund muss das Holz für den Bevel von oben wieder so weit angeschrägt werden, dass man sozusagen ein Stützkorsett aus vielen kleinen Holzklötzchen aufbringen kann. Die Klötzchen werden so klein gewählt, dass man sie entsprechend ihrer Faserung immer im rechten Winkel zum Deckenrand einleimen kann (Grafik Bevel b)).

Bevel Armauflage Gitarrenbauer stoll  Innenansicht Korpus
Bevel - Innenansicht des Korpus

Man kann sich die Klötzchen dann als eine Art Brücke zwischen Zarge und Decke vorstellen. Alternativ kann auch ein gebogenes Stück Zargenholz, dessen Faser dann wie die Zarge in Längsrichtung verläuft, eingesetzt werden. Ein Furnier, wie es von manchen Herstellern benutzt wird, kann diese Funktion auf keine Weise übernehmen. Leider ist die Bauweise durch die meist dicke Lackierung schwer zu erkennen.

Der Bevel darf also nie ohne das Gesamtkonzept der Gitarre betrachtet werden, deswegen sollte er auch nicht nachträglich in die Gitarre eingebaut werden.

Ergonomie

Stoll Gitarrenbauer Klassikgitarre Konzertgitarre Fanned Frets  mit Armauflage
Stoll Classic Line Pro mit Bevel

Durch die abgerundete Form des Bevels gibt es an der Stelle der Gitarre, wo der Arm aufliegt, keine Kante mehr, die in den Unterarm einschneiden könnte. Der Druck wird also besser verteilt. Dadurch können Irritation der Nervenbahnen vermieden werden, die den Unterarm beeinträchtigen und im Extremfall sogar zu tauben Fingern führen können.

Der Bevel verhindert auch Spannungen in Arm und Nacken, die bei intensiver Nutzung einer "normalen" Gitarre unter Umständen dauerhafte Schäden an der Muskulatur hinterlassen. Die Probleme bei Profigitarristen sind so gravierend, dass Grit Laskin nach der Umstellung seiner Gitarren mit Unterstützerbriefen von Krankenhäusern sowie Dankesbriefen von Berufsgitarristen überhäuft wurde (Interview auf www.premierguitar.com).

Klangliche Einflüsse

Doch nicht nur ergonomische Vorteile zeichnen den Bevel aus. Dadurch, dass der Bevel die Deckenoberfläche verkleinert, kann der versierte Gitarrenbauer ihn sehr gut auch als Justiermöglichkeit für die Höhenanteile des Tons benutzen, denn eine kleinere Oberfläche der Decke sorgt für brillante Höhen.

Wie wir bereits festgestellt haben, wird durch den Bevel auch der Rauminhalt verkleinert. Dies kann durch eine leichte Erhöhung der Zargentiefe ausgeglichen werden. Damit erhält man einen ausdrucksvolleren Bassbereich und erreicht insgesamt ein größeres Tonspektrum.

Voraussetzung hierfür sind die oben aufgeführten gitarrenbaulichen Überlegungen bezüglicher der Konstruktion des Bevels. Fokussiert man lediglich auf Optik und die Abrundung für den Arm, besteht die Gefahr, dass man die Gitarre klanglich eher verschlechtert.

Hier eine Auswahl von STOLL Gitarren mit Bevel:

IQ Stahlsaiten-Gitarre (Standard Modell)
IQ, Jumbo Stahlsaiten-Gitarre mit Extrem-Cutaway
Classic Bass als 6-Saiter mit Fanned Frets und Bevel (Kundenanfertigung)
Classic Line Pro mit Fächerbünden und Bevel
IQ, Stahlsaiten-Gitarre mit Nullbund und Tonabnehmer (Kundenanfertigung)
Ambition mit Bevel, Griffbretteinlagen und Tonabnehmer (Kundenanfertigung)